Jane Turpentine

Natürlich könnte Jana Ruprecht ihre zauberhaften Motive auch einmal zeichnen und dann auf das Emaille-Geschirr drucken lassen. Will sie aber nicht! Die Künstlerin aus Leipzig hat einfach zu viel Spaß an den feinen Variationen, die durch ihre Handarbeit entstehen. Freubündel fragt… Jane Turpentine

Hallo Jana! Wie bist du denn zum Namen Jane Turpentine gekommen?
Den hat mir mein Liebster verpasst. Zu Studienzeiten habe ich sehr viel Zeit im Druckgrafik-Keller verbracht, oft bis zu zehn Stunden am Tag. Abgeschirmt von der Hektik der Einkaufsstraße mittendrin und umgeben von Druckpressen, Säurebädern für Radierplatten, Asphaltlack, Druckfarbe… und Terpentin. Ich war völlig versunken in der Arbeit an meinen Radierungen immer mit dem feinen Duft von Balsamterpentin in der Nase. Wenn ich abends auf meiner Terpentinwolke nach Hause schwebte, begrüßte mein Freund mich scherzhaft mit „Sister Turpentine“ angelehnt an den Stones Song „Sister Morphine“. So hatte ich meinen Namen weg und ich finde ihn sehr passend. Auch wenn ich derzeit wenig mit Terpentin arbeite, die Zeit damals hat meine Arbeit sehr geprägt.

Emaille-Tassen sind gerade ziemlich angesagt, aber deine finde ich ganz besonders schön. Unglaublich, dass du wirklich jede einzeln von Hand bemalst!
Vielen Dank! Tatsächlich bin ich freier, wenn ich die Tassen selbst bemale, als ein paar Motive zu entwerfen und der Druckerei die Arbeit zu überlassen. Jede Tasse unterscheidet sich ein bisschen von den anderen, es fließen Variationen ein und während der Arbeit kommen mir neue Ideen. Außerdem liebe ich das handwerkliche Arbeiten und den Prozess: Vom Vorbereiten der Tassen für die Farbe, das Malen und anschließende Bearbeiten mit der Nadel und zuletzt das Brennen im Ofen. Dieses „analoge“ Arbeiten ist mir irgendwie näher als am Computer ein Motiv zu entwerfen und an eine Produktion zu schicken.

Freubündel fragt Jane TurpentineHaben deine Kinder auch welche?
Ursprünglich war es sogar so, dass ich die Emaille-Tassen erst für meine Kinder gemacht habe. Sie sind so praktisch wie Plastiktassen, zum Beispiel wenn wir einen Ausflug machen oder im Kindergarten ein Fest gefeiert wird. Aber Emaille fühlt sich viel hochwertiger an und meine Kinder lieben die Bilder darauf. Lange mussten die Tassen sogar immer neben dem Bett stehen!

Können die in die Spülmaschine oder besser nicht?
Lieber nicht. Die Farbe ist zwar bis 50°C spülmaschinenfest, aber Emaille geht in der Spülmaschine auf die Dauer kaputt und verliert ihren Glanz. Lieber kurz spülen mit mildem Spüli und weichem Tuch oder Schwamm.

Die handbemalten Tassen sind aber gar nicht dein Hauptprodukt. In Deinen Shops bei Dawanda und Etsy gibt es auch ganz viel handgedruckte Papeterie, richtig?
Ja, das stimmt. Die Tassen sind quasi noch richtige Frischlinge im Shop. Ich arbeite als Illustratorin und habe demnach viele Papiersachen im Shop, Postkarten, Briefpapier, Notizbücher und solche Sachen. Als Druckgrafikerin bedrucke ich die gern auch selber. Und die handgedruckten Sachen haben einfach einen größeren Charme als das ewig gleiche von der Stange. Trotz gleichen Druckstocks sieht jeder Druck irgendwie ein bisschen anders aus. Vor allem bei mehrfarbigen Drucken.

Was würdest du selbst sagen – was ist denn „dein Ding“?
Hmm, wie bringe ich das auf den Punkt? Ich lass mir gern Zeit, ich beobachte gern, ich lass mich gern verzaubern: Von Musik, Kunst, von Geschichten, von der Natur – und natürlich von meinen Kindern.

Ganz viele Freubündel-Fans kommen aus Leipzig und es waren auch schon einige Kreative aus deiner Heimatstadt dabei. Ist Leipzig eine Stadt der Handmade-Liebhaber?
Ja, Leipzig hat eine vielfältige Kulturszene und wer kreativen Input braucht, wird hier leicht fündig. Man findet viele Inspirationen, inspiriert sich gegenseitig und schätzt das auch. Die Liebe zum „Handmade“ aber breitet sich ja generell aus. Viele entdecken das Selbermachen für sich, Handarbeit und handwerkliche Techniken. Und immer mehr würdigen diese Arbeit kleiner Labels, die noch wahre kleine Schätze fernab der Massenproduktion hervorbringen.

Du hast zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Wie organisierst du deinen Alltag als Mama und freischaffende Künstlerin?
Die Kinder sind in Schule und Kindergarten verteilt und so bleibt für jeden genug Zeit für sein Tagwerk: Lernen und Spielen für die Kinder und Arbeit und der übrigen Rattenschwanz an täglichen Pflichten für die Eltern. Wenn wir uns am Nachmittag wiedersehen ist die Freude groß und wir haben Zeit füreinander. Oft arbeite ich dann abends bei Termindruck weiter wenn die Kinder im Bett sind, aber wenn man seine Arbeit liebt, ist es ja eigentlich keine Arbeit.

Das Logo von Jane Turpentine.