feingespinst Verlag und Emila Yusof

Gleich zwei tolle, kreative Frauen im Interview – eine schöne Freubündel-Premiere! Hier kommen meine 10 Fragen an… feingespinst Verlag und Emila Yusof.

1. Hallo Emila! In Deutschland ist dein Name noch nicht so bekannt, aber in deiner Heimat Malaysia bist du eine sehr beliebte Kinderbuch-Illustratorin. Die Hauptfigur deiner Bücher ist ein kleines Mädchen namens Dina. Hattest du jemand bestimmten im Kopf, als du sie entworfen hast?
Ja, Dina sieht nämlich ein bisschen aus wie ich selbst als Kind. Ich hatte auch zwei Zöpfe und zwar ungefähr bis ich 16 war. Dann habe ich meine Haare kurz geschnitten.

2. Wie hast du gelernt so zu zeichnen?
Ich habe schon von klein auf immer gern gemalt. Meine Mutter hat mir beigebracht zu zeichnen und mein Vater, wie man koloriert. Den Rest habe ich in der Schule gelernt. Kunst war mein Lieblingsfach.

3. Würdest Du sagen, dass deine Zeichnungen „typisch malaysisch“ sind? Inspiriert dich dein Land?
Auf jeden Fall! Ich versuche immer etwas Malaysisches in meine Illustrationen einfließen zu lassen. Zum Beispiel, dass Dina eine Baju Kurung trägt, das ist ein traditionelles Kleid für Mädchen und Frauen. Aber oft auch lokale Pflanzen wie Hibiskus.

4. Ausmalbücher für Erwachsene sind ein großer Trend. In einem deiner Bücher gibt es eine, wie ich finde, sehr berührende Zeichnung von einer Mutter, die ihr Kind hält. Was steckt dahinter?
Es ist an das Bild „Mutter und Kind“ von Gustav Klimt angelehnt. Ich bin ein großer Fan seiner Arbeit.

5. Zwei Deiner Ausmalbücher, „Mama Erde“ und „Liebe Natur“, sind in Deutschland im Verlag feingespinst erschienen. Warum sollten sich Erwachsene ab und zu ein bisschen Zeit zum Ausmalen nehmen?
Es kann einem helfen Stress abzubauen! In der Arbeit müssen wir den ganzen Tag Papierkram erledigen oder vor dem Computer sitzen um Zahlen und Buchstaben einzutippen. Etwas zu tun, das damit überhaupt nichts zu tun hat, entspannt das Gehirn. Außerdem ist es nostalgisch und versetzt uns in das wohlige Gefühl zurück, das wir als Kind dabei hatten. Eine wirklich günstige Therapie bei emotionalem Stress!

6. Anja, Du hast Emila mit deinem Verlag feingespinst auf den deutschen Mark gebracht. Wie seid ihr euch begegnet?
Ich habe sie am Malaysia-Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2014 entdeckt. Sie zeichnete gerade, ich sah ihr zu, und zwischen vielen Büchern, die mir nicht gefielen, stachen ihre Zeichnungen heraus. Mir gefielen die Zeichnungen — meinem Sohn auch — nur die Gestaltung fand ich nicht so überzeugend. Daher übersetzte ich die Geschichte, entwickelte eine neue Typografie dafür und brachte es — mangels Druckbudget — erst einmal als vertontes Bilder-eBook heraus. Hier kann man einen Blick reinwerfen: feingespinst.de/mamasgarten

7. Daraus hat sich noch viel mehr ergeben, oder?
Ja, wir sind einander freundschaftlich verbunden, haben uns auch 2015 wieder auf der Messe getroffen, und gemeinsam die nächsten Produkte vorgestellt: die Malbücher „Mama Erde“ und „Liebe Natur“ und daraus entlehnte Postkarten. Für 2017 habe ich die schönsten der Ausmal-Motive in einem Wandkalender zusammengestellt.

8. Deine Begeisterung für Emilas Zeichnungen kommen nicht von irgendwoher – Du bist nicht „nur“ Verlegerin, sondern selbst auch Kinderbuch-Illustratorin. AffenKatzenSpatzenTanz heißt dein e-Book für Kinder von etwa drei bis fünf.
Ich bin freischaffende Grafikdesignerin mit den Schwerpunkten Branding Design und Publikationsdesign (www.anjaleidel.de), und hatte an der Bauhaus Universität Weimar sehr konzeptorientiert und medienübergreifend studiert. Daher interessieren mich immer auch andere Bereiche der Gestaltung. Das Thema Kinderbuch kam ganz natürlich dazu, als ich Mama wurde. In unserer Familie herrscht eine große Freude an guten und fein gestalteten Bücher. Manches wollte ich besser machen. Erste Skizzen meines Buches AffenKatzenSpatzenTanz entstanden während der Schwangerschaft, ein schlankes Strickäffchen hatte es mir angetan. Ich zeichnete das Äffchen, ordnete die Figuren zu einem Kreisornament und stellte mir vor, wie andere Tiere dazu kamen, die der Affe zum Tanze einlud.

9. Welche Vorteile bringt ein eBook mit sich? Soll es „AffenKatzenSpatzenTanz“ irgendwann auch als „richtiges Buch“ geben?
Kinder sehen Tablets bei Mama und Papa und möchten sie auch benutzen. Dafür geeignetere Inhalte anzubieten, als YouTube-Videos oder Spiele, war zum Beispiel Motivation. Das Hör-Lese-Bilderbuch ist mit Audio-Funktionen veredelt, verzichtet aber auf wildes Geblinke oder Animationen, die die Kinder diesen Alters überfordern würden. Die Bilder sind kindgerecht und die Verse lustig; Eltern können ihren Kindern selbst vorlesen oder einfach die von einer professionellen Sprecherin eingesprochenen Verse abspielen. Hier kann man mal reingucken: http://www.feingespinst.de/buecher/
Ursprünglich war es als Papp-Leporello geplant, das im Kreis aufgestellt werden kann, so dass es so aussieht, als würden die Tiere miteinander tanzen. Jedoch sind hierfür die Produktionskosten recht hoch, so dass dies im Eigenverlag nicht finanzierbar ist. Es gibt auch einen Prototypen als Hardcover-Buch. Wir werden sehen, ob sich andere Möglichkeiten finden, vielleicht auch ein größerer Verlag. Aktuell kann man die 12 Strophen als Einzelpostkarten erwerben.

10. Was wird dein nächstes Projekt? Hast du weitere Kinderbücher geplant?
Tatsächlich arbeite ich mit meinem Kollegen Tim Schröder an einer zweiten Geschichte. Seine herrlichen Reime sind bereits fertig, so dass ich mit den Illustrationen beginnen kann. Das Buch heißt „Das Sonnenkind“, und entsteht so schnell, wie mir meine „hauptamtlichen“ Grafik Design-Projekte Zeit lassen …

Vielen Dank für das Interview Emila und Anja!

(Interview mit Emila Yusof übersetzt aus dem Englischen von Nadine Kästner-Otto)

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